Was ist Fabrikautomation?

Fabrikautomation ist ein grundlegender Bestandteil der modernen Fertigung. Traditionell stützten sich viele Produktionsprozesse stark auf menschliche Bediener für Materialhandhabung, Montage und visuelle Inspektion. Auch wenn manuelle Arbeitsabläufe in vielen Branchen weiterhin wichtig bleiben, können automatisierte Systeme die Wiederholgenauigkeit, den Durchsatz und die Prozesskonsistenz bei großvolumigen oder repetitiven Aufgaben verbessern.

Fabrikautomation nutzt programmierbare Steuerungssysteme, Sensoren, Aktoren und Industriemaschinen, um Fertigungsvorgänge mit begrenztem manuellem Eingriff durchzuführen. Durch die Integration von SPS, Robotik und Sensornetzwerken können Hersteller kontinuierliche Produktionsprozesse mit hoher Wiederholgenauigkeit und betrieblicher Konsistenz unterstützen.

Der wirtschaftliche Nutzen der Fabrikautomation

Auch wenn die anfänglichen Investitionskosten für automatisierte Maschinen erheblich sind, rechtfertigen Ingenieure und Projektmanager die Investition durch vier zentrale betriebliche Verbesserungen:

  • Durchsatz: Automatisierte Systeme benötigen keine Schichtwechsel, Pausen oder Schlaf. Sie können rund um die Uhr arbeiten und steigern so die Gesamtmenge an Gütern, die eine Anlage produzieren kann.

  • Qualität und Konsistenz: Eine Maschine führt eine Aufgabe mit konsistentem programmiertem Verhalten unter kontrollierten Betriebsbedingungen aus. Durch die Eliminierung menschlicher Fehler und Subjektivität kann Automatisierung die Rate fehlerhafter Produkte senken.

  • Arbeitssicherheit: Automatisierung entfernt menschliche Arbeitskräfte aus gefährlichen Umgebungen und übernimmt riskante oder körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten wie den Umgang mit giftigen Chemikalien, das Heben schwerer Motorblöcke oder den Betrieb von Hochtemperatur-Schweißanlagen.

  • Kostensenkung: Über seine Betriebslebensdauer hinweg senkt ein automatisiertes System die Stückkosten, indem es die Materialausnutzung verbessert (Ausschuss reduziert) und die Prozesseffizienz steigert.

Die 3 Arten der Fabrikautomation

Systeme der Fabrikautomation lassen sich nach Produktionsvolumen, Produktvariabilität und Systemflexibilität kategorisieren. Systemintegratoren ordnen die Fabrikautomation auf Basis von Produktionsvolumen und Produktvielfalt drei unterschiedlichen Kategorien zu.

Automatisierungstyp

Funktionsweise

Am besten geeignet für

Beispiel

Feste (starre) Automatisierung

Die Anlage ist mechanisch darauf ausgelegt, eine spezifische, repetitive Aufgabe auszuführen. Sie kann nicht ohne Weiteres umgerüstet werden.

Hohes Produktionsvolumen bei geringer Produktvariation

Eine dedizierte Stanzpresse, die pro Stunde große Mengen identischer Kfz-Türverkleidungen produziert.

Programmierbare Automatisierung

Die Maschinen können umprogrammiert werden, um unterschiedliche Produktchargen zu bewältigen, doch der Umrüstvorgang erfordert Stillstandzeiten, um neuen Code zu laden und Werkzeugkonfigurationen zu wechseln.

Mittleres Volumen, moderate Produktvielfalt (Chargenproduktion).

Eine CNC-Fräsmaschine, die am Montag zum Fräsen von Aluminiumhalterungen programmiert und am Dienstag für Stahlzahnräder umprogrammiert wird.

Flexible (weiche) Automatisierung

Ein vernetztes System, das sich dynamisch an unterschiedliche Produktvarianten anpassen kann und häufig einen Barcode liest, um seine eigenen Parameter mit minimaler Umrüstzeit zu ändern

Hohe Vielfalt, kundenspezifische kontinuierliche Produktion.

Eine robotergestützte Montagezelle, die je nach Fahrgestell, das die Linie herunterläuft, automatisch zwischen der Fertigung von Armaturenbrettern für Links- und Rechtslenker-Fahrzeuge umschaltet.

Wo die Bildverarbeitung in die Fabrikautomation passt

In der Vergangenheit arbeiteten viele automatisierte Systeme mit vordefinierten Bewegungsbahnen und festen Positionierungsannahmen. Abweichungen in der Ausrichtung oder Platzierung von Teilen konnten die Positioniergenauigkeit verringern oder automatisierte Arbeitsabläufe unterbrechen.

Die Bildverarbeitung liefert die visuelle Rückmeldung, die für viele Formen der flexiblen Automatisierung erforderlich ist. Industriekameras und Bildverarbeitungssoftware ermöglichen es automatisierten Systemen, Teile zu lokalisieren, die Ausrichtung zu überprüfen und sich an Abweichungen in Positionierung oder Produktkonfiguration anzupassen. Anstatt sich ausschließlich auf feste Koordinaten zu verlassen, können Roboter und Steuerungssysteme ihre Bewegungen dynamisch auf Basis der Ergebnisse der Bildanalyse anpassen.

Die Bildverarbeitung wird zudem häufig für die automatisierte Qualitätsinspektion eingesetzt. In Anwendungen wie der automatisierten optischen Inspektion (AOI) können Bildverarbeitungssysteme Defekte erkennen, Montageschritte verifizieren und Qualitätskontrollprozesse mit hohem Durchsatz unterstützen.

Die Automatisierungspyramide (ISA-95)

Ingenieure begreifen die Fabrikautomation anhand einer Hierarchie, die als Automatisierungspyramide bekannt ist. Dieses Modell bestimmt, wie Daten von der physischen Fertigungsebene bis hinauf in die Unternehmensführung fließen.

Ebene

Bezeichnung

Funktion

Wo die Bildverarbeitung passt

1. Feldebene

Sensoren & Aktoren

Die physische Hardware, die mit der realen Welt interagiert (Elektromotoren, Pneumatikventile, Sensoren).

Bildverarbeitungskameras befinden sich hier und erfassen Bilddaten aus dem Produktionsprozess

2. Steuerungsebene

SPS & PACs

Die lokalen Steuerungssysteme auf der Produktionsebene. Sie empfangen Sensordaten und lösen auf Basis programmierter Logik Aktoren aus.

Bildverarbeitungssoftware befindet sich hier, analysiert das Bild und sendet Inspektions- oder Messergebnisse an die SPS.

3. Leitebene

SCADA

Systeme, die es menschlichen Bedienern ermöglichen, mehrere SPS zu überwachen, den Gesamtprozess zu steuern und Alarme zu empfangen.

Bildverarbeitungssysteme senden Inspektionsbilder und Prozessdaten zur Begutachtung durch Menschen hierher.

4. Planungsebene

MES

Manufacturing Execution Systems verwalten Rohmaterialbestände, planen Aufträge und verfolgen die Gesamtanlageneffektivität (OEE).

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5. Unternehmensebene

ERP

Enterprise-Resource-Planning-Software zur Verwaltung von Geschäftsabläufen, Logistik und Lieferkettenplanung

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Industrie 4.0 und die Zukunft der Automatisierung

Moderne Fabrikautomation integriert zunehmend Konzepte, die mit Industrie 4.0 und dem industriellen Internet der Dinge (IIoT) verbunden sind. Traditionelle Automatisierungssysteme arbeiteten oft als isolierte Produktionszellen mit begrenztem Datenaustausch zwischen Maschinen und übergeordneten Softwaresystemen.

In modernen Fertigungsumgebungen werden Produktionsanlagen, Sensoren, Bildverarbeitungssysteme und Steuerungsplattformen zunehmend über industrielle Netzwerke verbunden. Dadurch können Prozessdaten über verschiedene Produktionsstufen hinweg gemeinsam genutzt werden, was eine bessere Transparenz über Systemleistung und Produktqualität ermöglicht.

In manchen Anwendungen können Bildverarbeitungssysteme Rückmeldedaten liefern, die für die Prozessüberwachung, die automatische Anpassung oder die vorausschauende Wartung genutzt werden. So können beispielsweise wiederkehrende Inspektionsergebnisse auf Werkzeugverschleiß, Ausrichtungsdrift oder Prozessabweichungen hinweisen, die behoben werden können, bevor die Produktqualität erheblich beeinträchtigt wird.

Diese vernetzten Automatisierungsansätze können Herstellern dabei helfen, die Rückverfolgbarkeit zu verbessern, Stillstandzeiten zu reduzieren und eine stärker datengestützte Prozessoptimierung zu unterstützen.

Häufig gestellte Fragen

Robotik ist ein spezifisches Teilgebiet der Fabrikautomation. Alle Industrieroboter sind eine Form der Automatisierung, aber nicht jede Automatisierung ist Robotik. Ein einfaches automatisiertes Förderband, das Kartons mithilfe pneumatischer Schieber und Barcode-Scanner sortiert, ist beispielsweise ein hocheffektives automatisiertes System, kommt aber ohne Roboter aus.

Während Automatisierung manuelle, repetitive und gefährliche Tätigkeiten am Montageband physisch ersetzt, schafft sie gleichzeitig neue, hochqualifizierte technische Arbeitsplätze. Fabriken benötigen Systemintegratoren, Bildverarbeitungsingenieure, SPS-Programmierer und Wartungstechniker, um die automatisierte Infrastruktur zu konzipieren, in Betrieb zu nehmen und zu warten.