IP67 und Luftfeuchtigkeit - wo liegt der Unterschied?
Wenn unsere Kameras nach IP67/IP6K7 zertifiziert sind, z.B. Acuva GMSL2 IP67 und Visus GigE IP67, warum ist die zulässige Betriebsfeuchtigkeit dann auf 20-80 % relative Luftfeuchtigkeit, nicht kondensierend, begrenzt?
Die IP67/IP6K7-Klassifizierung und die angegebene Betriebsluftfeuchtigkeit beschreiben zwei unterschiedliche Umgebungsbedingungen.
Die IP-Schutzart definiert den Schutz der Kamera gegen das Eindringen von Staub und Wasser unter standardisierten Prüfbedingungen. IP67 beinhaltet beispielsweise den Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen in Wasser, während IP6K7 die entsprechende, auf den Automotive-Bereich ausgerichtete Klassifizierung gemäß ISO 20653 darstellt.
Die Angabe 20-80 % relative Luftfeuchtigkeit, nicht kondensierend beschreibt dagegen die atmosphärischen Bedingungen, unter denen ein zuverlässiger Dauerbetrieb der Kamera spezifiziert und gewährleistet ist.
Anders ausgedrückt:
IP67/IP6K7 beschreibt, wie gut das Kameragehäuse das Eindringen von Wasser verhindert. Die Angabe zur Luftfeuchtigkeit beschreibt die Umgebungsbedingungen, unter denen ein zuverlässiger Betrieb gewährleistet ist.
Bedeutet IP67, dass die Kamera bei 100 % relativer Luftfeuchtigkeit betrieben werden kann?
Nein.
Eine IP67/IP6K7-Klassifizierung bedeutet nicht automatisch, dass die Kamera für den dauerhaften Betrieb bei 100 % relativer Luftfeuchtigkeit spezifiziert ist.
Bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit kann insbesondere bei Temperaturänderungen Kondensation entstehen. Dabei bildet sich Wasser in flüssiger Form auf Oberflächen, was unter Umständen elektronische Komponenten oder optische Oberflächen beeinträchtigen kann.
Daher ist der spezifizierte Betriebsbereich unserer Kameras auf 20-80 % relative Luftfeuchtigkeit, nicht kondensierend, festgelegt.
Bedeutet "nicht kondensierend", dass die Kamera nicht im Außenbereich eingesetzt werden kann?
Nein.
IP67/IP6K7-Kameras sind speziell dafür ausgelegt, einen hohen Schutz gegen Umwelteinflüsse wie Staub, Regen und Wasser zu bieten.
Dennoch müssen die spezifizierten Betriebsbedingungen der Kamera eingehalten werden. Im Außenbereich können beispielsweise schnelle Temperaturänderungen und hohe Luftfeuchtigkeit auftreten, die zu Kondensation führen können.
Bei Anwendungen mit dauerhaft hoher Luftfeuchtigkeit, Kondensation, starken Temperaturschwankungen oder anderen besonders anspruchsvollen Umgebungsbedingungen sollte die konkrete Anwendung daher separat bewertet werden.
Ist Kondensation dasselbe wie das Eindringen von Wasser?
Nein.
Von Wassereintritt spricht man, wenn flüssiges Wasser von außen durch Öffnungen, Dichtungen, Steckverbinder oder andere mögliche Eintrittswege in die Kamera gelangt. Genau diesen Schutz gegen das Eindringen von Wasser beschreibt die IP-Schutzart.
Kondensation entsteht dagegen, wenn der in der Umgebungsluft enthaltene Wasserdampf den Taupunkt erreicht und sich auf einer Oberfläche als flüssiges Wasser niederschlägt.
Eine Kamera kann daher einen IP67/IP6K7-Wassertest erfolgreich bestehen und gleichzeitig für den Betrieb unter kondensierenden Bedingungen nicht spezifiziert sein.
Kann ich eine IP67-Kamera bei Regen oder bei direktem Kontakt mit Wasser einsetzen?
Ja.
Der Schutz gegen Wasser ist ein wesentlicher Bestandteil der IP67/IP6K7-Klassifizierung.
Die Kamera sollte jedoch entsprechend den vollständigen Umgebungsbedingungen im Datenblatt installiert und betrieben werden. Besonderes Augenmerk sollte auf Temperaturänderungen und mögliche Kondensation gelegt werden, insbesondere bei Außenanwendungen oder in Umgebungen mit hoher Luftfeuchtigkeit.
Warum geben Hersteller bei einer IP67-Kamera nicht einfach 100 % relative Luftfeuchtigkeit an?
Weil 100 % relative Luftfeuchtigkeit nicht zwangsläufig eine unkritische Umgebungsbedingung bedeutet.
Bei 100 % relativer Luftfeuchtigkeit ist die Luft mit Wasserdampf gesättigt. Bereits eine relativ geringe Abkühlung kann dazu führen, dass Wasser an Oberflächen kondensiert.
Beispielsweise kann eine Kamera zunächst in einer warmen und feuchten Umgebung betrieben und anschließend einer deutlich kälteren Umgebung ausgesetzt werden. Sinkt die Temperatur der Kameraoberfläche unter den Taupunkt, kann sich Kondenswasser bilden.
Daher ist die Angabe "nicht kondensierend" auch bei einem sehr gut gegen Wasser geschützten Gehäuse ein wichtiger Bestandteil der Betriebsspezifikation.
Die wichtigste Aussage
IP67/IP6K7 und 20-80 % relative Luftfeuchtigkeit sind kein Widerspruch. Die IP-Schutzart beschreibt den Schutz des Kameragehäuses gegen das Eindringen von Wasser und Staub, während die Angabe zur Luftfeuchtigkeit die atmosphärischen Bedingungen definiert, unter denen ein zuverlässiger Betrieb gewährleistet ist.
Bei Anwendungen mit dauerhaft hoher Luftfeuchtigkeit, Kondensation oder starken Temperatur-/Feuchtezyklen empfehlen wir, die konkreten Umgebungsbedingungen mit unserem technischen Team abzustimmen, um zu prüfen, ob eine zusätzliche Qualifizierung der Anwendung erforderlich ist.